Worum es hier geht

Es gibt Menschen, die so feste Grundsätze haben, dass sie dafür auch bereit sind, alles zu riskieren.

Ein schönes Beispiel gibt es in dem Roman „Der Untertan“ von Heinrich Mann:
Seite 376.

Zu der von uns verwendeten Werkausgabe

Auf der folgenden Seite gibt es eine Übersicht, mit der man unsere Ebook-Seiten umrechnen kann in die Fischer-Taschenbuchausgabe.

https://textaussage.de/heinrich-mann-untertan-umrechnung-der-seiten

Wenn eine andere Ausgabe verwendet wird, einfach einen entsprechenden Kommentar abgeben – wir schauen dann, was wir machen könnten.
https://textaussage.de/schnelle-hilfe-bei-aufgaben-im-deutschunterricht

Die Ausgangssituation:

Diederich Heßling und seine Frau Guste sind an einem Sonntag von ihrer Hochzeitsreise zurückgekehrt und möchten sich jetzt eine neue Zahnbürste kaufen. Wegen des Feiertags ist nur eine einzige Apotheke offen und dort ergibt sich jetzt die folgende Situation:

Das Problem:

  • Der Mann wundert sich, dass seine Frau sehr lange in der Apotheke bleibt.
  • Er schaut also durchs Schaufenster und ist ganz erstaunt:
    „denn drinnen hinter dem Ladentisch schritt, die Arme gekreuzt und mit düsterem Blick, hin und her sein alter Freund und Kommilitone Gottlieb Hornung.“
  • Die offensichtlich schon etwas generve Guste erklärt:
    Nun bin ich doch gespannt, ob ich bald meine Zahnbürste kriege“
    und es ergibt sich folgende Situation:
    Gottlieb Hornung kommt „hinter dem Ladentisch hervor, die Arme immer verschränkt und Guste in seinen düstern Blick fassend. ‚Sie werden meiner Miene angesehen haben‘, begann er mit Rednerstimme, ‚daß ich weder in der Lage noch gewillt bin, Ihnen eine Zahnbürste zu verkaufen.‘“
  • Als die Frau erstaunt auf ein volles Glas mit diesen Bürsten verweist, lächelt der Apotheker „wie Luzifer“ und erklärt seine Auffassung:
    • „‘Der Onkel dort oben‘ er warf den Kopf zurück und zeigte mit dem Kinn nach der Decke, hinter der wohl sein Prinzipal hauste -, ‚der kann hier feilbieten, was ihm beliebt. Ich fühle mich dadurch nicht berührt. Ich habe nicht sechs Semester studiert und einer hochfeinen Korporation angehört, damit ich mich jetzt hier hinstelle und Zahnbürsten verkaufe.‘“
    • Als die Frau daraufhin fragt, wozu er denn eigentlich in der Apotheke sei, „versetzte Hornung, majestätisch rollend: ‚Ich bin für die Rezeptur da!‘“
    • Guste will schon kapitulieren und fragt nach irgendwelchen Schwämmen, die sie auch gerne hätte, und bekommt die Antwort, dort gelte das Gleiche.

Die Lösung des Problems durch den Ehemann

    • Als sie darauf empört reagieren will, greift ihr Ehemann ein und versucht, die Situation zu mit einem Vorschlag zu entspannen:
      „Er gab dem Freunde recht darin, daß die Würde der Neuteutonia zu wahren und ihr Banner hochzuhalten sei. Wenn jemand trotzdem einen Schwamm brauchte, konnte er ihn sich am Ende selbst nehmen und den Betrag hinlegen was Diederich hiermit tat.“
    • Interessant ist, wie der Apotheker sich verhält, als so auch verfahren wird:
    • „Gottlieb Hornung ging inzwischen beiseite und pfiff, als sei er allein.“
    • Das Ganze endet damit, dass Diederich „seine Teilnahme an dem bisherigen Ergehen des Freundes“ bekundet.

Schluss der Episode

    • Die Episode endet mit dem Hinweis wohl des Erzählers:
      „Leider war viel Mißgeschick dabei; denn da Hornung niemals Schwämme und Zahnbürsten hatte verkaufen wollen, war er schon aus fünf Apotheken entlassen worden. Dennoch war er entschlossen, weiter für seine Überzeugung einzustehen, auf die Gefahr, daß es ihn auch hier wieder seine Stellung kostete.“
    • Diederich, der immer noch auf seine Vergangenheit in einer studentischen Verbindung stolz ist, fordert seine Frau begeistert auf:
      „Da sieh dir einen echten Neuteutonen an!“
    • Sehr schön dann der knappe Schluss dieser Episode mit Gustes Reaktion:
      „… und sie sah ihn sich an.“

Auswertung der Episode

Insgesamt mach diese Episode in satirisch sicherlich etwas übertriebener Weise deutlich, wohin es führen kann, wenn man stark abweichende persönliche Auffassungen unbedingt durchsetzt, koste es, was es wolle.

Anregungen

Jeder kann jetzt erst mal überlegen, ob er Situationen kennt, in denen in denen Prinzipien sehr extrem vertreten werden.

Andererseits zeigt die Geschichte natürlich auch schön, dass man solche Situation manchmal durch ebenso originelle Reaktionen auch gut auflösen kann.

In der Praxis wird es aber nichts daran ändern, dass meistens nur Unverständnis, Ärger und Verzicht auf weitere geschäftliche Beziehungen und dann auch gegebenenfalls der Verlust von Arbeitsplätzen übrig bleiben.

Das Gleiche gilt natürlich auch für den privaten Bereich, wenn jemand aus Prinzip einem Freund in einer bestimmten Situation nicht helfen will. Auch das kann zum Ende einer Beziehung führen.

Kreativer Impuls

Der Schluss der Episode schreit geradezu danach, sich jetzt eine Antwort der Frau zu überlegen. Die kann als Antwort auf das Statement ihres Ehemanns formuliert werden – oder auch in Form der erlebten Rede oder des inneren Monologs.

Ü3: Weitere Infos, Tipps und Materialien