Worum es hier geht:

Balladen sind eigentlich eine sehr interessante Sache – immerhin geht es um viel Dramatik. Die meisten Gedichte dieser Art sind aber vor langer Zeit entstanden – also auch in einer alt bzw. überholt wirkenden Sprache.

Ein Grund mehr, das mal in moderner Sprache zu versuchen.

Wir zeigen am Beispiel von „John Maynard“, wie man da vorgehen könnte.

 

Schritt 1: Sich den Inhalt klarmachen und erste Ideen entwickeln

In einem ersten Schritt geht man die Strophen durch und notiert sich, worum es in ihnen geht und welche Funktion sie haben.

Wenn einem dazu schon was einfällt – auch Streichungen -, dann hält man das da schon fest.

 

Theodor Fontane

John Maynard!

 

„Wer ist John Maynard?“

„John Maynard war unser Steuermann,

aushielt er, bis er das Ufer gewann,

er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,

er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.

John Maynard.“

  • Ausnahmsweise gibt es hier mal am Anfang eines Gedichtes eine Kurzfassung.
  • Das kann man übernehmen, aber auch weglassen – je nachdem, welchen Ansatz man wählt oder schon im Kopf hat.

 

Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,

Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;

von Detroit fliegt sie nach Buffalo –

die Herzen aber sind frei und froh,

und die Passagiere mit Kindern und Fraun

im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,

und plaudernd an John Maynard heran

tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?“

Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:

„Noch dreißig Minuten … Halbe Stund.“

  • Hier wird die gute Ausgangssituation geschildert – mit Hinweise auf die verbleibende Zeit.
  • Das sollte man auf jeden Fall übernehmen.

 

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –

da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,

„Feuer!“ war es, was da klang,

ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,

ein Qualm, dann Flammen lichterloh,

und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

  • Hier kommt der Momente des Schreckens.
  • Der ist auch wichtig und sollte entsprechend hervorgehoben werden.

 

Und die Passagiere, bunt gemengt,

am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,

am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,

am Steuer aber lagert sich´s dicht,

und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“

Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. –

  • Hier wird die Situation und Reaktion der Passagiere geschildert, vor allem aber ihre Angst und das Problem der verbleibenden Zeit.
  • Auch das ist wichtig, könnte aber mit anderen Strophen in einer Modernisierung gekürzt werden.
  • Heute will man schneller zum Höhepunkt kommen – früher hat man sehr viel „ausladender“ erzählt.

 

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,

der Kapitän nach dem Steuer späht,

er sieht nicht mehr seinen Steuermann,

aber durchs Sprachrohr fragt er an:

„Noch da, John Maynard?“

„Ja, Herr. Ich bin.“

  • Hier ist wichtig, dass der Steuermann seinen Posten weiter wahrnimmt – denn das ist für die Richtung des Schiffes und damit die Rettung extrem wichtig.
  • Man merkt schon, es läuft auf einen Menschen zu.

 

„Auf den Strand! In die Brandung!“

„Ich halte drauf hin.“

Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“

Und noch zehn Minuten bis Buffalo. – –

  • Hier zeigt sich dann auch, dass es auf den Mann ankommt
  • und er sich dieser Aufgabe stellen will.
  • Wieder ein paar Minuten gewonnen.
  • Und die Frage: Wird er durchhalten?

 

„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s

mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“

Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,

jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.

Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.

Rettung: der Strand von Buffalo!

  • Es wird immer dramatischer,
  • aber vor allem für ihn: „mit ersterbender Stimme“.
  • Man ahnt schon, dass es für die Passagiere einigermaßen gut ausgehen kann.

 

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.

Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n

himmelan aus Kirchen und Kapell’n,

  • Auf die Rettung wird nur kurz eingegangen,
  • wichtig natürlich: „einer fehlt“.
  • Man ahnt schon, worauf es hinausläuft.

 

ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,

ein Dienst nur, den sie heute hat:

Zehntausend folgen oder mehr,

und kein Aug‘ im Zuge, das tränenleer.

  • Hier geht es um die Trauer.

 

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,

mit Blumen schließen sie das Grab,

und mit goldner Schrift in den Marmorstein

schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

  • Und hier um das ehrende Angedenken.

 

„Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand

hielt er das Steuer fest in der Hand,

er hat uns gerettet, er trägt die Kron,

er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.

John Maynard.“

  • Der Erzähler, den es in einer Ballade ja durchaus gibt,
  • hält sich hier ganz zurück
  • und lässt die Ehrung und damit auch die Erinnerung für sich selbst sprechen.
  • Mit der schönen Idee, am Ende den Namen des Mannes noch einmal hervorzuheben.

 

Schritt 2: Einen Ansatz und möglichst eine erste Zeile finden

Wichtig ist, dass man eine Idee hat, wie man das Ganze lösen kann.

Am einfachsten ist es, einen Beteiligten erzählen zu lassen.

Vielleicht sogar einen, der auf einer Klassenfahrt unterwegs ist – das erhöht die Betroffenheit bei den Mitschülern, denen man nachher die Modernisierung vorliest.

Damit hätten wir schon mal die Perspektive.

Jetzt brauchen wir noch einen ersten Satz – dabei schaut man einfach, ob es mit den Reimen klappt – die müssen nicht sein – wichtiger ist ein passender Rhythmus. Am besten einen Jambus oder Trochäus, also einen ständigen Wechsel zwischen betonten und unbetonten Silben.

Wenn was nicht passt, kann man es umstellen.

 

Das Ganze war für uns ein Traum.

Als Klasse in die USA

Wir glaubten’s kaum.

und schrien Hurra.

 

Das Highlight war der Eriesee,

???

Doch dann – ganz plötzlich – ach ein Weh.

???

 

An dieser Stelle hören wir hier mal auf, weil es ja nicht unsere Aufgabe ist , eine fertige Modernisierung zu liefern, sondern zu zeigen, wie man es machen kann.

Die Darstellung der letzten Strophe oben ist wichtig – wenn man mit einem Reim arbeitet.

Man nimmt möglichst nur Wörter, zu denen man auch ein Reimwort hat. Bei uns war das eben „see“ und „Weh“.

Was die Stellung der Reimwörter angeht, wollten wir es mal mit einem Kreuzreim versuchen, also bastelten wir erst die 1. und 3. Zeile und brauchten jetzt einen passenden Paarreim, den wir auf die 2. und 4. Zeile verteilen.

 

Das Highlight war der Eriesee,

Die Sonne schien uns auf den Bauch.

Doch dann – ganz plötzlich – ach ein Weh.

Am Heck des Schiffes, da war Rauch.

 

Wenn man übrigens wissen möchte, welche Reimwörter es gibt, kann man ein sogenanntes Reimwörterbuch verwenden:

Wir haben eben Rauch und Bauch noch selbst gefunden,

jetzt schlagen wir „Rauch“ nach auf der Seite:

https://www.lyrikecke.de/reimlexikon

und finden natürlich auch „Bauch“, allerdings auch „Strauch“ – nicht so schön, wenn man auf See ist. Aber „Brauch“ könnte man schon wieder „gebrauchen“, weiter unten mehren sich dann die Komposita, aber auch zusammengesetzte Wörter kann man gut einbauen.

Wir hätten auch „Rauch“ nach vorne setzen können – dann hätte anschließend „Schlauch“ gepasst, wenn es um erste Löschversuche geht.

So, wir hoffen, wir haben euch auf eine gute Spur gebracht.

Und wünschen viel Erfolg.

Ü3: Weitere Infos, Tipps und Materialien